The Rising — Ein postapokalyptischer KurzfilmMario Koch

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The Rising — Ein postapokalyptischer Kurzfilm

2012-2057: The Rising

2029
Nur wenig Zeit wurde bei Mykotech — seht, es gelingt mir, werte Leser, diesen Namen niederzuschreiben, ohne hernach für Tage nur noch ein Schatten meiner grauenvollsten Erinnerungen zu sein — der Erforschung des sicheren, abgeschotteten Anbaus der chilenischen Baumpilze und ihrer Wirte, der patagonischen Buchen, gewidmet. Bereits im Jahr 2029 fanden sich Plantagen auf allen Kontinenten.

Der Hunger nach Energie, die Gier nach Profit — sie hatten die Vorsicht in den Hintergrund treten lassen. Binnen weniger Monate war Mykotech zum wertvollsten Unternehmen der globalen Wirtschafts- und Börsengeschichte geworden. Zur Freude der Profiteure wuchsen die Buchen und Pilze — entgegen zuvor geäußerter anderslautender Vermutungen — in den unterschiedlichsten Klimazonen geradezu prächtig. Mykotanium begann in immer größeren Mengen zu fließen. Das Pink Fever der 2010er Jahre wurde zum Ende der 2020er zur Pink Euphoria.

2031
Am 6. März 2031 tauchten die ersten Meldungen auf. In einem normannischen Städtchen südöstlich von Rouen seien Dutzende vor allem ältere Menschen und Kinder mit schwersten Atembeschwerden in Krankenhäuser eingeliefert und alsbald in eine Spezialklinik nach Paris überführt worden. Ungefähr eine Woche lang hielten die Diskussionen über die Unverantwortlichkeit der französischen Division von Mykotech an. Ungefähr eine Woche lang ergingen sich die Mächtigen in den übrigen Mitgliedsländern des transnationalen Unternehmens in Beteuerungen, man werde sämtliche Sicherheitsvorkehrungen erneut überprüfen und jedwede eventuelle Schwachstellen augenblicklich beseitigen.

Am 12. März 2031 dann, waren in der Normandie bereits 83 Menschen erstickt. Pinkfarbene Baumpilze wurden gesichtet an Weiden, Eichen, Kastanien. Tote wurden gemeldet aus Deutschland, den USA, Argentinien, von der iberischen Halbinsel, aus Sibirien, China, Südafrika, der Türkei, Indien, Brasilien, …

Die Menschheit erstickte — mit geradezu atemberaubender Geschwindigkeit. Gegenmaßnahmen — irrwitzige Gegenmaßnahmen zu Teil — wurden eingeleitet und verloren sich umgehend wieder in einer nicht vorstellbaren globalen Panik. Die Apokalypse. So sah sie also aus. Bäume, Pilze, Berge von Leichen.

2057
Seit 25 Jahren, werte Leser, verbringen wir — die wenigen Überlebenden — unser Dasein in immer größer werdenden Bunkeranlagen, die bis tief unter die Erde reichen. Seit 25 Jahren suchen wir verzweifelt nach einem Weg zurück an die Erdoberfläche. Seit nunmehr 7 Jahren durchstreifen eigens entwickelte, genetisch modifizierte menschenähnliche Klone die Erde und nehmen Proben von Bäumen, Pflanzen, Pilzen, der Erde und der Luft. Sie sind die einzigen Wesen, die existieren können in der zerstörten Atmosphäre dort oben. Sie sind unsere willfährigen, willen- und wertlosen Sklaven. Und unsere einzige Hoffnung auf eine Wiederkehr ans Licht.

Dieser Tage, werte Leser, ist erneut etwas Großes im Gange. Eine neuerliche Zeitenwende bahnt sich an. Ich habe das Gefühl, dies könnten die letzten Zeilen sein, die ich schreibe. Ich habe keine Angst. Eine Zukunft wird es immer geben, ob mit oder ohne uns. Es ist der 16. Juni 2057.

steppefilm

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